Statt Frühlingsgefühle: Strenge Paarungsregeln bei den Korallenfischen
Im Frühjahr lassen sich viele interessante Balzrituale bei Tieren beobachten. Vögel, die mit ihren bunten Federn den Weibchen imponieren, Hirsche, die röhrend ihre Brunftigkeit zur Schau stellen oder Kater, die mit einem Buckel und aufgestellten Haaren die Katze mit ihrer Größe beeindrucken wollen. Ganz anders gestaltet sich da die Paarungszeit der Meergrundel, Fische, die im Australischen Great Barrier Reef leben. Ein australisches Forschungsteam des ARC (Australian Research Council) der James Cook University in Zusammenarbeit mit der „Estación Biológia Doñana“ untersuchte, wie die Fische in dieser Zeit der Konkurrenz trotzdem die soziale Ordnung ihrer Gruppe aufrecht erhalten.
Bei den Meergrundeln gilt während der Paarungszeit nicht das Motto „wer zuerst kommt mahlt zuerst“ und es wird auch nicht die ganz große Liebe gefunden. Es herrscht eine strikte Rangordnung, bei der die größten und ältesten Weibchen ganz oben und die kleinen und jungen Weibchen ganz unten stehen. Dementsprechend paart sich das größte Weibchen mit dem größten Männchen. Diese strenge Hierarchie entsteht dadurch, dass sich die Größe jedes Fisches um ca. fünf Prozent von den anderen unterscheidet. Verringert sich dieser Größenunterschied, fühlt sich das ranghöhere Weibchen von dem Emporkömmling bedroht und versucht deshalb diese „Vordränglerin“ aus der Gruppe auszuschließen. Da dies den sicheren Tod des einzelnen Fisches bedeuten würde, ergreifen sie präventive Maßnahmen, um dem Verstoß zu entgehen: sie halten eine strenge Diät. Das heißt, dass sie ihre eigene Größe anpassen, um für die ranghöheren Fische keine Konkurrenz darzustellen. Deshalb sind in der Welt der Meergrundeln Konkurrenzkämpfe und Ausschlüsse von Fischen extrem selten. So bleibt die soziale Ordnung bei den Fischen auch während der Paarungszeit stabil.
Natürlich können die Forscher durch diese Erkenntnisse keine direkte Verbindung zu höheren Lebewesen nachweisen. Aber dennoch gibt es einige Verhaltensmuster die auch auf den Menschen zutreffen könnten, bedenkt man nur einmal das alte Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern.“


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