EU-Agrarminister legen Fangquoten für 2009 fest: Hoffnung für die Fischereipolitik der EU?

EU-Agrarminister legen Fangquoten für 2009 fest: Hoffnung für die Fischereipolitik der EU?

Es gleicht einem Bruch mit einer jahrelangen Tradition: Erstmals haben die für Fischerei zuständigen EU-Agrarminister sich in der Festlegung der Fangquoten für 2009 zumindest weitgehend an den wissenschaftlichen Vorgaben ausgerichtet, nachdem sich das EU-Gremium zuvor regelmäßig -  meist im Sinne nationaler Eigeninteressen - über die von der Wissenschaft vorgeschlagenen Höchstfangmengen hinweggesetzt und wesentlich höhere Quoten veranschlagt. In diesem Jahr trafen die EU-Minister am 27. und 28. Oktober zusammen, um die Ostsee-Fangquoten für 2009 zu diskutieren. Ihnen lagen jüngste Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung  (ICES) sowie darauf basierende Empfehlungen der EU-Kommission vor. Die Fangquoten werden in der Regel sehr hart verhandelt und eine endgültige Entscheidung für alle Fischsorten wird in der Regel erst zum Jahresende getroffen.

Konflikte offenbarten sich dabei in erster Line bei der Diskussion um den Heringsbestand in der westlichen Ostsee, denn EU-Fischereikommissar Joe Borg hatte vorgeschlagen, die Quote für die westliche Ostsee um 63 Prozent abzusenken. Der Grund: Seit fünf Jahren sind beim Hering in der westlichen Ostsee nach Angaben des Rostocker Instituts für Ostseefischerei aus noch ungeklärten Gründen erhebliche Nachwuchsrückgänge zwischen 30 und 50 Prozent zu verzeichnen. Es treffe die Fischerei jedoch keine Schuld an dieser Entwicklung, vielmehr sei die Heringsquote im vergangenen Jahr entgegen der wissenschaftlichen Empfehlungen zu hoch angesetzt worden. Der Vorschlag der enormen Quotensenkung von 63 Prozent stieß auf energischen Protest bei den Ostsee-Anrainerstaaten, deren Küstenfischer - darunter auch die deutschen Fischer - schwere wirtschaftliche Einbußen befürchten.

Schließlich beschlossen die Minister eine Kürzung der Heringsquote in der westlichen Ostsee um 39 Prozent - das entspricht einer zulässigen Fangmenge von 25.839 Tonnen. Das geht dem Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer jedoch bereits zu weit: Der Beschluss bedeute "einen schmerzhaften Einschnitt für die deutschen Heringsfischer." Auch für Hering in der östlichen Ostsee wird die Fangquote sinken, allerdings nur um sechs Prozent.

Auf positivere Resonanz stießen die EU-Beschlüsse für die Dorschquoten, bei denen die wissenschaftlichen Vorgaben übernommen wurden. Demnach wird die Fangquote für Dorsch in der westlichen Ostsee um 15 Prozent gesenkt. In der östlichen Ostsee, wo sich der Bestand langsam erholt, wird die Fangmenge hingegen im Einklang mit dem Dorsch-Bestandserholungsplan um 15 Prozent erhöht.

Des Weiteren senkten die Minister die Quoten für Scholle und Lachs um fünf Prozent sowie die für Sprotte um zwölf Prozent. Die restlichen Quoten (u. a. für Nordsee, Atlantik und Mittelmeer) werden bis Ende Dezember festgelegt werden.

Außerdem einigten sich die EU-Staaten über weiterführende Schutzmaßnahmen für den Blauflossen-Thunfisch (Roter Thun) im Mittelmeer und zeigten sich laut dem amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Michel Barnier dazu bereit, die Fangquoten zu reduzieren und die Fangsaison zu verkürzen. Umweltorganisationen hatten allerdings einen völligen Fangstopp gefordert. Eine gemeinsame Position der EU soll der Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfisches (ICCAT) vorgelegt werden, die Ende November in Marokko tagt. Zu diesem Zeitpunkt wird ebenfalls eine Einigung über die Fangbeschränkungen für Tiefsee-Arten erwartet. Diesbezüglich strebt die Kommission z.B.  an, die Fangmengen etwa für Granatbarsch und Tiefseehai innerhalb von vier Jahren auf Null herabzusetzen. Vor allem für Tiefsee-Fische ist das Vorsorgeprinzip von immenser Bedeutung, da die Tiere in der Regel sehr alt werden und sich erst spät fortpflanzen.

Das Fazit: Die Übernahme der wissenschaftlich empfohlenen Höchstfangmengen für den Ostseedorsch und die Einigung auf Schutzmaßnahmen für den Roten Thun lassen auf positive Veränderungen in der EU-Fischereipolitik hoffen, auch wenn sich angesichts der nur teilweise umgesetzten Quotenkürzung beim Ostseehering die gewohnte „Unvernunft“ einmal mehr zeigte.