Projekt „Stopp Discard“

Wir sind für ein Rückwurfverbot

Beifang ist ein besonders herausforderndes Thema. Die geltende EU-Politik und die damit einhergehende Discard-Praxis (englisch für „wegwerfen“) ist für Deutsche See nicht akzeptabel.

Denn dabei ist es vorgeschrieben, dass zu kleine Fische wieder über Bord geworfen werden müssen. Dahinter stand einst die Absicht, Jungfische und überfischte Arten in der EU zu schützen. Doch kaum ein Fisch überlebt diese Prozedur des sogenannten Discardens. Aus diesem Grund haben wir bereits 2008 gemeinsam mit Fischereiwirtschaft, Wissenschaft und Politik das Forschungsprojekt „Stopp Discard“ ins Leben gerufen. Dabei geht es uns um die Abschaffung der Discard-Praxis und die Anrechnung des unvermeidbaren Beifangs auf die Fangquoten, damit die gefangenen Fische sinnvoll verwendet werden und die bisherige Verschwendung zukünftig ein Ende findet.

Das dieses bereits 2008 begonnene Projekt und die dabei gesammelten positiven Erfahrungen sich aktuell auch in der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) widerspiegeln ist ein positives Signal. Wir begrüßen die Vorschläge der Europäischen Kommission ein solches Rückwurfverbot jetzt einführen zu wollen.

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Das geltende EU-Gesetz verbietet es, dass Fische in den Markt gelangen, deren Fanquote bereits ausgeschöpft ist oder die noch zu klein sind. Es lässt sich jedoch nicht immer verhindern, dass diese in den Fischernetzen landen. Das Ergebnis: Sie werden als Müll zurück ins Meer geworfen. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) sind das weltweit 20 Millionen Tonnen pro Jahr.

Bringt der Fischer diesen Beifang an Land, macht er sich strafbar – bisher. Das Projekt „Stopp Discard“ setzt sich seit 2008 dafür ein, dass dieses Verfahren gestoppt wird. Unterstützung bekommen die Initiatoren Deutsche See und die Erzeugergemeinschaft der Hochsee- und Kutterfischer von wissenschaftlicher und politischer Seite. Der damalige EU-Kommissar hat „Stopp Discard“ als offizielles Forschungsprojekt anerkannt. Auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin erteilte seine Zustimmung zu dem Versuch.

Bei dem Projekt werden seit 2008 zunächst drei Kutter in der Nordsee eingesetzt, die außer Quallen alles, was ihnen in die Netze geht, an Land bringen. Auch „unfreiwillige” Fänge werden verwertet und auf die Quote der jeweiligen Art angerechnet. Für auf dem Markt wenig attraktive Fische erhält der Fischer immerhin noch einen Gewinn, denn Deutsche See kauft ihm diesen Beifang garantiert ab und vermarktet ihn weiter. Gegen diejenigen, die den Beifang dennoch als Müll entsorgen, werden Geld-Strafen erhoben. So wird ein finanzieller Anreiz geschaffen, die Fische nicht wieder über Bord zu werfen.
Um den Beifang von vornherein zu senken, setzen die Fischer zudem auf eine einfache, aber effektive Methode: Sie verwenden Netze, die große Maschen haben. Durch diese können Jungtiere entfliehen und gelangen gar nicht erst an Bord des Fischkutters. Auf einem Projektschiff konnte so der Beifang, der bei einer Fangmenge von 1 Tonne Kabeljau bisher bei 150 kg lag, auf nur 2 kg gesenkt werden.

Dr. Peter Dill, Generalbevollmächtigter von Deutsche See: „Wir sehen eine dringende Notwendigkeit für ein behutsameres und effektiveres Fischereimanagement. Discard ist neben der illegalen Fischerei und zu hoch ansetzenden Fangquoten eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer nachhaltigen Fischerei. Bei unserem Projekt sitzen zum ersten Mal alle Beteiligten in einem Boot: Die Fischer selbst, die sich zu ihrer Eigenverantwortung bekennen, der Handel und Verarbeitungsunternehmen, für die Nachhaltigkeit auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll ist, die Wissenschaft, die mit dem Pilotprojekt valide Daten erhält, und die politisch Verantwortlichen in der Bundesregierung und in der EU.”